Orthopädisch chirurgische Praxis

Dr. med. Heinz Beat Maurer

Minimal invasive Chirurgie in der Endoprothetik

Etwa zu Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts haben diverse Chirurgen versucht modernere Operationszugänge zum Hüftgelenk zu entwickeln. Bei den meisten der bis anhin üblichen Zugänge, war es notwendig um zum Hüftgelenk zu gelangen einen Teil der vor dem Gelenk liegenden Muskulatur zu durchtrennen. Dies führte immer wieder zu muskulären Problemen nach dem Eingriff aufgrund der erfolgten Muskelschädigung und Schwäche. Grundvoraussetzung für die Entwicklung modernerer Operationszugänge war aber auch die Entwicklung von speziellen Operationsinstrumenten, Spezialhacken und auch neuerer Prothesen, welche im Design weniger massig waren.

Anfänglich wurden diese Versuche durch die Fachspezialisten sehr kontrovers beurteilt, weil einerseits diese neuen Zugänge von den Chirurgen wieder neu gelernt werden mussten und weil es sich auch zeigte, dass einige dieser Zugänge mit deutlich erhöhten Komplikationsraten verbunden waren, selbst nachdem die Technik grundsätzlich von den Chirurgen erlernt worden war. So wurden zum Beispiel der sog. double incision Zugang, als ein Operationszugang mit zwei separaten Schnitten bald wieder verlassen und gilt heute als obsolet, also als nicht empfehlenswert, da mit erhöhten Komplikationen verbunden.

Auf der anderen Seite hat sich aber zunehmend gezeigt, dass die neueren Zugänge, sobald sie erlernt wurden eindeutig gewisse Vorteile aufweisen. So wird das Gewebe durch die neueren Zugänge weniger stark geschädigt, was vor allem in der unmittelbaren postoperativen Phase zu deutlich verminderten Beschwerden führt und auch zu einer insgesamt rascheren Remobilisation. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass nicht mehr durch die Muskulatur geschnitten wird um zum Hüftgelenk zu kommen, wie zum Beispiel beim früher üblichen sog. transglutaealen Zugang, sondern indem zwischen der Muskulatur hindurchgegangen wird., also die Muskulatur deutlich weniger geschädigt wird. Dies wurde, wie schon erwähnt, aber erst ermöglicht durch Entwicklung modernerer Prothesen und auch Entwicklung spezieller Instrumente und teilweise auch speziellen Operationstischen für diese neueren Operationstechniken. Dabei spielt die Länge des Hautschnittes eigentlich überhaupt keine Rolle, obwohl dies fälschlicherweise zu Anfang der Einführung dieser neueren Operationstechnik selbst von den Chirurgen stolz als die wesentliche Neuerung präsentiert wurde! Der Hauptvorteil ist also nicht die allenfalls tatsächlich vor allem bei schlanken Patienten auch verminderte Länge des Hautschnittes, sondern vielmehr die wesentlich geringere Schädigung der umliegenden Gewebe, vor allem der Muskulatur, die maximal geschont wird, weil nicht mehr durchschnitten , sondern nur noch etwas zur Seite gedrängt.

Die Praxis Dr. Maurer hat sich anfänglich bewusst etwas Zeit gelassen – ganz nach dem Schema «never change a winning team». Nach Absolvierung diverser Kurse und Fortbildungen teil in der Schweiz, teils auch im Ausland, haben wir uns aber schliesslich für einen der neuen, muskelschonenden Operationszugänge zum Hüftgelenk entschlossen und gleichzeitig auch den bis dato üblichen Hüftschaft durch einen moderneren ersetzt. Seit ca. 4 Jahren werden nur noch der sog. MIA, minimal invasiv access Zugang zum Hüftgelenk verwendet; auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass es den Patienten vor allem in der Anfangsphasen, also in den ersten Tagen deutlich besser geht, aufgrund des schonenderen Zugangs.

Auch im Bereich der Knieendoprothetik wird ebenfalls von minimal invasiven Zugängen gesprochen; hier ist aber zu sagen, dass hier auch in der bisherigen Operationstechnik die Muskulatur bereits maximal geschont wird, hier ermöglichen aber neuere Instrumente ebenfalls den Eingriff etwas schonender durchzuführen, es sei dabei vor allem erwähnt, dass es in geeigneten Fällen möglich ist nur eine Teilprothese zu implantieren, was durch einen deutlich kleineren Zugang möglich ist als bei der Implantation eines totalen künstlichen Kniegelenkes. Allerdings sind dafür die Spätresultate eines totalen Kniegelenkersatzes als insgesamt etwas besser zu werten als bei einem Teilersatz – oder anders formuliert: ein Teilersatz kann als kleinerer Eingriff für eine gewisse Zeitspanne eine gute Lösung sein, es ist aber mittel bis längerfristig meist damit zu rechnen, das irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo der Teilersatz zu einem totalen künstlichen Gelenk umgebaut werden muss, was selbstverständlich eine erneute Operation bedeutet. Aus diesem Grunde ist eine Teilprothese am Kniegelenk nur bei geeigneten Patienten zu empfehlen, die auch die Tatsache akzeptieren können, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo dann ein totales künstliches Gelenk eingesetzt werden muss.

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